NEWSLETTER ABONNIEREN

Langsam wochs ma zamm

Eine »normale« Familie wird man schrittweise, eine Patchworkfamilie ist man von einem Tag auf den anderen. Das birgt Zündstoff, der die junge Liebe schnell wieder zerstören kann.

Der Junggeselle findet sich als »Vater« von Schulkindern wieder, die Mutter zweier Kinder muss nun vier bändigen, die neue Partnerin – einst eingefleischter Single – wird am Wochenende mit den Kindern ihres Partners und der Expartnerin konfrontiert. Das Modell Patchworkfamilie birgt von Anfang an viele Konflikte. Eine der Hauptempfehlungen, die Margit Picher den neuen Familien mit auf den Weg gibt, ist das »Sich-Zeit-Lassen«. »Langsam wochs ma zamm« – dieser Hit von Wolfgang Ambros könnte für die Initiatorin des »Patchwork Familien Service« in Graz die Hymne für Patchworkfamilien sein. »Es kommt oft vor, dass Paare, die eine gescheiterte Beziehung hinter sich haben, verständlicherweise eine große Sehnsucht haben, dass es diesmal klappen soll. Aus dieser Sehnsucht heraus besteht die Gefahr der Ungeduld. Schnell zusammenziehen, schnell heiraten und als Krönung schnell ein Kind bekommen. Aus der Beratungspraxis wissen wir, dass Paare oft an dieser Überforderung scheitern. Sie nehmen sich nur noch als Vater und Mutter wahr.« Picher rät dazu, sich auf Paarebene Zeitinseln zu schaffen, die Anfangs-Verliebtheits-Phase zu nutzen, eine Beziehung zu festigen. »Dann kann auch später mit Herausforderungen und Überforderungen besser umgegangen werden, denn man hat die Erinnerung an diese Exklusivität auf Partnerebene, die einem Kraft gegeben hat.«

BEZIEHUNG PFLEGEN.

Doppelt wichtig für Patchworkpaare sind häufige Gespräche zu zweit. Der Austausch über Lebens- und Zukunftspläne und ein gemeinsamer Nenner in Erziehungsfragen stärken die Beziehung und geben jedem die Sicherheit, für den anderen an erster Stelle zu stehen. So muss keiner mit den Kindern um die Aufmerksamkeit des anderen wetteifern. Manchmal ist es hilfreich, sich die neue Beziehung wie ein weiteres Kind vorzustellen: Sie braucht ebenso Zeit und kann nicht nebenbei laufen. Sie muss zu bestimmten Terminen Vorrang vor allem anderen haben. Sie hat Verlässlichkeit und Klarheit verdient. Je stabiler die Partnerschaft der Erwachsenen ist, desto sicherer ist das Fundament der ganzen Patchworkfamilie.

ROLLENKLARHEIT.

Natürlich gibt es viele Fallstricke, über die Patchworkpaare stolpern. Ein komplexer Bereich, der viel Konfliktpotenzial in sich trägt, sind die Beziehungsebenen. Rollenklarheit heißt hier das Schlüsselwort. Margit Picher empfiehlt ein klares Verhältnis mit dem Expartner/der Expartnerin: Trennung auf Beziehungsebene, aber Bindung auf Elternebene. »Hier gibt es oft ein Verschwimmen, da die Trennung von einem der beiden ausgegangen ist. Derjenige, der die Trennung nicht wollte, nutzt oft die Verbindung durch die Kinder, um auf Beziehungsebene wieder anzuknüpfen. Der Idealfall ist eine distanziert-freundschaftliche Ebene, bei der der gegenseitige Respekt gegeben ist.«
Dicke Luft herrscht nicht selten zwischen dem neuen Partner und dem/der Ex. »Man muss den bzw. die Ex nicht lieben, aber akzeptieren. Umso besser es einem gelingt, eine Situation so anzunehmen, wie sie ist, umso besser können Lösungsansätze für alle Beteiligten entwickelt werden. Hier sollte keine Ideallösung erzwungen werden«, rät Picher. 

Text: Andrea Mann

Quelle: Frauenmagazin "Welt der Frau" März 2010

http://www.youtube.com/watch?v=A7_C2QhxNQE

Mehr dazu gibt es im Artikel von "Welt der Frau" in nebenstehenden Link.

 

Weiterf�hrende Informationen:
Welt der Frau - Artikel