NEWSLETTER ABONNIEREN

Orientierungstipps fuer Kids TV, Handy und Co

Elisabeth Janca /Medienpädagogin vom Zentrum für Medienkompetenz war am 7.Nov. 2010 bei uns bei unserem Mama-& Papa-Brunch zu Gast als Referentin zu einem spannenden Thema und hat uns auch für jene, die nicht dabei sein konnten eine Zusammenfassung zukommen lassen.

Die wichtigste Regel:

Sie als Elternteil kennen ihr Kind am besten. Sie sollten wissen was fördert und nicht überfordert. Einfach auf den Hausverstand verlassen und auf den Bauch hören. Auch gesetzlich sind Sie verantwortlich für ihr Kind.

Wichtig:

Medienkonsum sollte genauso wie Fahrradfahren gelernt werden.

Kinder müssen langsam an die Kritikfähigkeit herangeführt werden.  Sie nehmen (wie auch Erwachsene) leicht alles für bare Münze. Auch bei uns reklamieren z.b. Erwachsene beim Psychologenverband, dass die Therapeuten 10 Einheiten benötigen – Frau Kalwass braucht inklusive Werbung nur eine Stunde.

Kinder lernen durch nachahmen – wir sind und bleiben Vorbild. Zappen wir ständig durch die Programme, werden sie es auch tun und dabei irgendetwas finden, statt gezielt Sendungen herauszusuchen.

Läuft der Fernseher immer nebenbei? Auch beim Lernen? Kinder/Jugendliche meinen sich dadurch besser konzentrieren zu können. In der Prüfungssituation läuft kein Radio, kein Fernseher und sie ist komplett anders und bereitet Stress, weil ungewohnt.

Hilfreiche Links / Beratungsstellen:

http://www.rtr.at/ - die Telekommunikationsschlichtungsstelle hilft bei strittigen Rechnungen von Handys und Co. Führt auch eine Robinsonliste (wer schickt welche unerwünschten Mails) und hat eine Anweisung wie man bei solchen Mails vorgehen kann.

http://www.saferinternet.at/ - nehmen auch Hinweise wegen Porno-/pädophilie etc. entgegen und leiten weiter

http://www.ispa.at/ - die Dachorganisation der Provider in Österreich – sind auch Beschwerdestell für Porno- / Pädophilie etc.

http://www.ombudsmann.at/ - aus Erfahrung besser als jede Arbeiterkammer bei z.b. Copyright im Internet etc. / funktioniert nur per Mail oder man wird angerufen

Tipps zum Fernseh/Computerkonsum:

Konzentrationsspanne bei kleineren Kindern ist noch bei etwa 20 Minuten – sie fangen auch an während der Sendung zu reden oder sich zu bewegen. Das bedeutet, dass sie mit dem Verarbeiten beginnen und Stress abbauen. Stress ist Adrenalinausschüttung, die reich chemisch durch Bewegung abgebaut werden kann. Die erste Bewegung, die das Gehirn als Bewegung wahrnimmt, ist die Kaubewegung. Deshalb werden so viele spannende Sendungen mit Popcorn „abgebaut“. Aber als Tipp: Kaugummi als Stressabbau bei Schularbeiten.

Medien lösen Gewalt, Angst etc, aus – sie erzeugen sie nicht.

Je nach Entwicklungsphase sind Ängste wie Verlust der Eltern etc. vorhanden. Wird das Thema über Medien angesprochen, kann es zu einer Reaktion kommen. Etwa mit 8 Jahren gibt es z.b. einen Abnabelungsprozess – da treffen Filme wie „König der Löwen“ etc. die Kinder. Was aber passiert, dass Kinder nachspielen – also auch Gewaltszenen.

Je kleiner Kinder sind, desto mystischer ist ihre Welt. Sie sind noch ohne festen Erfahrungsrahmen und kombinieren daher unterschiedliche Erfahrungen und Gedanken – manchmal auch für uns nicht ganz nachvollziehbar. Dieses Mystik sollten wir auch in Fragenbeantwortungen Rechnung tragen – nicht von Adam und Eva bis heute erklären. Lieber auch nur eine Gegenfrage stellen, wie sich das Kind das ganze vosrtellt.

Sollten Kinder in Szenen geraten, die absolut nichts für sie sind (fernsehen genauso wie Internet), dann nicht hysterisch abbrechen. Solche Szenen ruhig auslaufen lassen und dann versuchen darüber zu reden, wenn es notwendig ist. Versuchen Sie selbst bei einer spannenden Szene den Fernseher abzudrehen – die Spannung wird körperlich spürbar.

Bis etwa 8/9 Jahre ist es nicht sinnvoll Nachrichten mit Kindern zu sehen – außer kindgerechte. Sie brauchen wie gesagt erst den Aufbau des Erfahrungsrasters.

Ab etwa 12 Jahren ist die Wahrnehmung der Kinder unserer entsprechend – vorher können sie schnelle Schnitte nicht verarbeiten. Das heißt, sie sehen nicht die ganze Bilderfolge, nehmen aber die Schnelligkeit und Hektik wahr und sind damit großteils überfordert.

Sie brauchen langsame Bilder, eindeutige Farben/Formen, Geschichten, die sich linear entwickeln und keine Verzweigungen oder Rückblenden haben. Diese können sie nicht zuordnen, da ihr Leben genauso linear verläuft.

Um zu lernen benötigen sie auch die Wiederholung – deshalb schauen Kinder gerne ihre Lieblingsdvd, hören ihr Lieblingshörspiel oder spielen ihr Lieblingsspiel. Bis sie es auswendig können – und immer wieder entdecken sie noch neues.

So können sie auch langsam mit gruseligen Szene umgehen lernen. Sie wissen ja schon wie es ausgeht! J

Computer für Kinder – bitte als Werkzeug anbieten. Nicht als Spielzeug. Für später gibt es eine andere Wertigkeit. Es ist wichtig Kindern bewusst zu machen, dass das Internet nicht nach dem Bildschirm aufhört, sondern alle mitlesen und mitschauen können. Vor allem bei den Großen sind dann die Fotos von Besäufnissen auf Facebook extrem „toll“, wenn auch die Chefs dort stöbern.

Auch „witzige“ Bemerkungen über andere gehen schnell in Mobbing über – liest ja eh niemand oder nur die Freunde …. Oder?

Medienkonsum zum Einschlafen. 4 Stunden nach dem letzten Input schaltet das Hirn erst wirklich aus. Fernsehen bis 12 Uhr – schlafen tatsächlich um 4 Uhr und um 7 Uhr zur Schule aufstehen …. Kein Wunder, dass Jugendliche vor 9 Uhr nicht ansprechbar sind.

Nintendo etc. – bitte auch auf den Gesundheitsfaktor achten. Daumen werden extrem beansprucht (wie bei SMS) und die Augen über kleine Bildschirme. Generell auf den richtigen Abstand zu Bildschirmmedien achten.

 Alles was pädagogisch wertvoll ist,  muss nicht wirklich lehrreich sein und schon gar keinen Spaß machen. Bitte nicht mit dem tollen Lernspiel nach Hause kommen und es als „Lernspiel“ vorstellen – wird kaum der Erfolg sein.

Kindern darf auch fad sein – wir sind versucht alles zu unternehmen, dass Kindern nicht mehr fad ist. Sie brauchen Räume zum entwickeln der Kreativität. Das dauert durch das Vorgesetztbekommen von Inhalten oft länger. Dafür können sich Kinder auch kaum mehr so leicht von Bildern distanzieren.

 Medien gezielt nutzen – kritisch hinterfragen. Auch wir als Erwachsene sollte uns immer wieder bewusst werden, dass jeder Medienmacher eine bestimmte Intension verfolgt – sei es politisch oder einfach nur verkaufsorientiert.

Wichtig ist eine Gesprächsbasis zu schaffen. Vertrauen ist wichtig, wenn Kinder mit Inhalten, die sie nicht verstehen, sie erschrecken oder überfordern zu uns kommen sollen.

Auch wenn´s manchmal schwer fällt, in solchen Fällen gelassen reagieren und reden.

Wird aktiv kommuniziert, wird aus unseren Kindern, auch wenn sie einmal ein Gewaltspiel spielen oder sich einen Horrorfilm ansehen, kein Amokläufer, Mörder oder Perverser.

Gastreferentin: Elisabeth Janca/ Medienpädagogin / Zentrum für Medienkompetenz

http://www.medienkompetenz.me

Mama-und Papa-Brunch