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Balancing- Der Spagat zwischen Berufs-und Privatleben

Spielen Sie mit dem Gedanken Ihren Job zu wechseln und suchen eine neue Herausforderung? Sie wollen nicht nur Karriere machen, sondern sind auch Mutter/Vater und wollen auf Ihr Privat-und Familienleben nicht verzichten?

Arbeiten Sie, um zu leben, oder leben Sie, um zu arbeiten?
Vielen Menschen ist im schnellsten aller Zeitalter die Flüchtigkeit ihres Lebens bewusst geworden. Sie glauben nicht mehr an die Wiederkehr des Gleichen, sondern erfahren das Unwiederbringliche und Unwiederholbare viel deutlicher. In einer Umfrage des Online-Stellenmarkes Jobfinder haben 61,3 Prozent der Befragten eine ausgewogene Balance von Berufs- und Privatleben für eines der wichtigsten Ziele angegeben. Nur die „finanzielle Unabhängigkeit“ konnte dieses Bedürfnis in dieser Umfrage knapp überholen. Ein Grundrecht wird eingefordert: das Recht auf sinnvolle Verwendung der Ressource, die niemand erneuern kann - der eigenen Lebenszeit!
Die Neubewertung von Arbeit und Freizeit wurde zum Wirtschaftsthema der neunziger Jahre. Wo sind sie, die innovativen Führungskräfte, die sich nicht dem technokratischen Diktat unterwerfen, sondern auch die Welt außerhalb ihrer Firma kennen? Wo bis zur Erschöpfung gearbeitet werden soll, gibt es nur noch das „Gegengift“ der absoluten Passivität. Beides trifft nicht die Balancebedürfnisse und den Gestaltungsdrang der Menschen.
Wer vierzehn Stunden harte Arbeit tun muss, kann zwischen diesen Abschnitten nur noch essen und schlafen, Letzteres nur im besten Fall. Wer diesen Hintergrund der neuen Anspruchsbedürfnisse erkennt, hat keine Möglichkeit mehr, Mitgestaltungswünsche der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Berufs- und Freizeit beiseite zu schieben. Führungskräfte, die sich diese Überlegungen zumuten, stoßen dann auch selbstkritisch auf eine Unterscheidung, die sie vielleicht für selbstverständlich gehalten haben: die Wertunterscheidung von eigener und fremder Lebenszeit. Sie sollten sich bewusst sein, dass die Lebenszeit der Mitarbeiter als genauso wertvoll anzuerkennen ist wie ihre eigene. Diese Erkenntnis hat auch Einfluss auf das Zeitmanagement: Wer seine Zeit respektiert sieht, füllt sie auch selbst effizienter. Mitarbeiter, deren Zeitbudget in die Eigenverantwortung übertragen wird, können nur noch selbst Zeit vergeuden.

„ Wer nur um Gewinn kämpft,
erntet nichts, wofür es sich lohnt zu leben.“
A. de Saint-Exupèry

Der Wunsch nach einer klassischen Karriere im Sinne von beruflichem Aufstieg, Einfluss, Status und hohem Einkommen ist nach einer Umfrage von Rosenstiel bei Nachwuchsführungskräften deutlich geringer ausgeprägt als bei älteren Führungskräften. In einer Studie von Prof. Wunderer & Dr. Petra Dick wurde festgestellt, dass bei Erwerbstätigen die Balance von Berufs- und Privatleben ein immer wichtigeres, zentrales Laufbahnziel wird. Nach Ansicht der befragten Personalchefs steht bereits heute – etwa für 90% aller Beschäftigten – der Lebensgenuss im Vordergrund. Für die Zukunft prognostiziert eine große Mehrheit (73%) einen Trend in Richtung „Lebensgenuss“. Wie alle Veränderungen vollzieht sich der Anfang in uns selbst! Es werden nur Führungskräfte diesem Anspruch gerecht werden, die es bei sich selbst zulassen und umsetzen können, ihr eigenes Balancebedürfnis zwischen Beruf und Freizeit zu leben. Wie könnte es ein Chef sonst ertragen, der sein eigenes Privat- und Familienleben für die Firma geopfert hat, wenn ein Mitarbeiter den Anspruch auf mehr Freizeit für seine Familie einfordert? Demnach werden auch Führungskräfte zukünftig weniger bereit sein, private Interessen beruflichen Belangen unterzuordnen.
Der bekannte, inzwischen leider verstorbene Headhunter Francois Jenewein hat bestätigt, dass Personalchefs auch bei der Auswahl von Führungskräften zunehmend gesteigerten Wert auf das Familienleben legen.

Nicht nur Unternehmen und die Selbstorganisation von Einzelpersonen können Gesellschaftsstrukturen, um dem Balancebedürfnis der Menschen gerecht zu werden verändern. Auch die Politik ist hier gefordert, dementsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Skandinavien ist uns eine Nasenlänge voraus. So gilt etwa in Schweden das Recht auf Teilzeitarbeit bis zum 7. Lebensjahr des Kindes mit garantiertem Rückkehrrecht auf Vollzeit ausnahmslos für alle; es herrscht kein Mangel an leistbaren Kinderbetreuungseinrichtungen mit flexiblen Öffnungszeiten - und: Das Elternzeitgeld beträgt 80 %des letzten Gehaltes vor der Geburt des Kindes. Natürlich gibt es da eine Höchstgrenze. In Skandinavien ist der karenzierte Mann nichts Exotisches. In Norwegen nehmen bis zu 70 % der Männer Elternzeit in Anspruch. Davon können wir hierzulande mit 2% Anteil nur träumen! Dass es für viele berufstätige Eltern, insbesondere für Alleinerziehende immer noch einen Drahtseilakt darstellt, wie die Ferienzeiten der Kindergärten und Schulen kindgerecht überbrückt werden sollen, sollte uns auch zu denken geben.

Prioritäten setzen


Die Aufforderung, „Prioritäten zu setzen“ ist in aller Munde – aber was hat für Sie ganz persönlich wirklich Priorität? Alles scheint oft so wichtig, nichts soll vernachlässigt werden. Außerdem hat dieses „Was ist für mich wichtig?“ bei manchen einen Touch von Egoismus. Das Gewissen schaltet sich ein: „Ich habe doch auch Pflichten und Verantwortung!“ Keine Sorge! Nur weil Sie wirklich wissen, was Sie ganz persönlich für sich wollen, sind Sie deshalb nicht gleich verantwortungslos und vernachlässigen Ihre Pflichten. Pflichten sollten auch genau hinterfragt werden. Wenn Sie täglich Ihre Prioritäten ordnen, klarer und bewusster denken und handeln, dann sind Ihnen auch die Grenzen Ihrer Verantwortung und Ihrer Pflichten viel bewusster und können daher klarer übernommen werden!
Das Glück des Tüchtigen kann auch süchtig machen. Für manche ist Arbeit eine Sucht, die wie eine Pflicht aussieht. Workaholics produzieren und werden beim Nichtstun schon nach zehn Minuten kribbelig wie ein Junkie auf Entzug. Außengeleiteter Erfolg und Anerkennung, Topetagen, Leistungswahn und materielle Selbstdarstellung bestimmen bei vielen das Leben. Regelmäßige höhere Dosierungen treiben Arbeitssüchtige bis zur Endstation, zum Burn-out-Finale. Rechtsanwälte in Tokio spezialisieren sich seit vielen Jahren auch auf Schadenersatzklagen wegen „Karoshi“ des sogenannten „Todes durch Überarbeitung“.
„Manche halten einen vollen Terminkalender für ein erfülltes Leben.“ (Uhlen-Bruck)
Ich erinnere mich an einen Manager in einem Zeitmanagementseminar, dessen Wunsch es war, dass er es mit Entspannungstechniken schaffen möchte, noch weniger zu schlafen, damit er mehr arbeiten kann. Hier stellt sich auch die Frage: Wer wir sind, unabhängig von der Arbeit?
Wer selbst erkennt, dass pure Geschäftigkeit auf Dauer nicht nur gesundheitsgefährdend, sondern auch geschäftsschädigend sein kann, hat bereits den ersten und entscheidenden Schritt zur Bewusstseinsänderung getan. Nicht nur Anerkennung, Beförderungen, Lohn, Gehalt und Titel sind die selig machenden Lebensreize, sondern mindestens ebenso die kreativen Freiräume zwischen Familie, Freunden und Ferienzeiten.
Stellen Sie sich täglich morgens folgende Fragen:


1. Was ist heute für mich wichtig?
2. Was muss heute unbedingt erledigt werden?
3. Was kann ich heute für meine Zukunft tun?
4. Stimmen meine täglichen Aktivitäten noch mit meinen Werten und Prioritäten überein?

Es geht nicht nur darum, Prioritäten zu setzen, sondern auch die Zeitressourcen von den eigenen Werten abzuleiten und klare Entscheidungen zu treffen, wovon Sie sich auch lösen können. Weniger ist mehr! Weniges gut zu tun, das schafft Zufriedenheit! Es geht auch nicht darum, wie viel Sie in einer gewissen Zeitspanne erleben, tun oder „konsumieren“ können, sondern vor allem um die Frage, wie sinnvoll Sie Ihre Zeit für lohnende Dinge und eine Zukunftsgestaltung einsetzen, die diesen Namen auch verdient.

Balancing-Lösungsstrategien
Wenn Ihr Leben aus dem Gleichgewicht geraten ist und Sie sich überfordert fühlen, wäre statt flüchten oder kämpfen die „Auseinandersetzung mit der Situation“ eine mögliche Alternative und ein Lösungsansatz:

1. Erkennen der Stresssituation: Die Bewältigung eines Problems beginnt mit dem Bewusstsein, dass es besteht.
2. Bereitschaft zum eigenverantwortlichen Handeln: Ohne Rücksicht darauf, wer „schuld“ an dem Problem ist.
2. Maßnahmen überlegen: „Was kann ich realistischerweise tun, um die belastende Situation zu verändern?“
4. Neue Methoden der Lösung entwickeln!

Um sein Leben in Balance zu halten, gilt es nicht nur ein ausgefülltes, sondern vor allem ein erfülltes Leben zu führen! Das Wichtige sollte nicht von der Flut des Dringenden überspült werden. Die dringenden Dinge sind nicht immer die wichtigsten! Für die organisierte Unfreiheit des überfüllten Terminkalenders, der keine Spielräume mehr zulässt, sind Sie mitverantwortlich. Sie bestimmen mit, womit Sie Ihre Zeit verbringen wollen. Sie müssen lediglich die Konsequenzen Ihres Handelns tragen.
Den Einsatz Ihrer Zeit und Ihres Tuns sollten Sie nicht dem Zufall, den täglichen Routinen und Abläufen oder den wachsenden Turbulenzen überlassen. Nicht wie viel oder was Sie erreichen, sondern wie Sie es zu erleben verstehen, nicht über was Sie verfügen, sondern womit Sie Ihre Zeit verbringen und wer Sie dabei sind, sollte Ihr Handeln bestimmen, wenn Sie nicht den auf Sie einstürmenden Ereignissen einfach ausgeliefert sein wollen.


Übung:
Machen Sie eine gedankliche Zeitreise und stellen Sie sich nun vor, Sie würden im Sterbebett liegen. Überlegen Sie, was Sie Ihren zukünftigen Hinterbliebenen sagen würden, womit Sie in Ihrem Leben gerne mehr Zeit verbracht hätten. Haben Sie schon jemanden am Sterbebett sagen hören: „ Hätte ich bloß mehr Zeit im Büro verbracht“?

www.karrierewerkstatt.at

Text von Margit Picher, Sozial-und Berufspädagogin, Spezialistin zum Thema „Vereinbarkeit von Beruf & Familie“, Inhaberin der KARRIERE WERKSTATT, Graz, Buchautorin: „EINLADUNG ZUM PERSÖNLICHEN ERFOLG – Finden Sie vom Broterwerb zu Ihrer Berufung & Lebens