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Wo sich Maenner raushalten sollten

In Patchworkfamilien werden vielfach fatale Fehler gemacht. Aber in Patchworkfamilien liegen auch
wunderbare Chancen. Und zwar nicht zuletzt fuer Kinder.

Wertvolle “Mitbringsel”

Die Zahl der Patchworkfamilien steigt. Das liegt in erster Linie an der hohen Scheidungsrate. In Deutschland und Österreich landet fast jede zweite Ehe vor dem Scheidungsrichter. In Folge dessen werden so genannte Patchworkfamilien gegründet, in die Elternteile ihre Kinder aus früheren Ehen oder Lebensgemeinschaften mitbringen. Nach Schätzungen des Deutschen Jugendinstituts in München leben in Deutschland mittlerweile bis zu 1,5 Millionen Kinder in einer solch neuen Familienkonstellation. In Österreich sind es 92 000.

Die Familie ist eine Ursehnsucht des Menschen. Wenn dies nicht so wäre, würden Elternteile nach ihrer schmerzlichen Erfahrungen im familiären Zusammenleben weniger darauf aus sein, noch einmal in einer solchen Konstellation zu leben.

Die Rolle des neuen Partners

Margit Picher sieht im Rollenbild des neuen Lebenspartners gegenüber den Stiefkindern eine große Hürde. Sie ist Sozialpädagogin und Obfrau des "Patchwork-Familien-Service, Verein für Elternteile und Familien im Wandel “ im österreichischen Graz. In den Salzburger Nachrichten rät sie: „Der neue Mann sollte nicht als Vater auftreten, vielmehr als Freund der Mutter.“ Sie sagt, ein Kind werde dem neuen Partner der Mutter Ablehnung entgegenbringen. Dieses Verhalten sei ganz natürlich. Denn das Kind empfinde trotz allem, was vorgefallen sei, eine Verbindung zum leiblichen Vater. Und es brächte sich ihm gegenüber in einen Loyalitätskonflikt, wenn es den neuen Mann im Haus sogleich als neuen Vater und Erzieher akzeptieren würde.

Margit Picher warnt Mütter davor, in neu begründeten Patchworkfamilien eine Vermittlung zwischen Kind und neuem Partner zu betreiben. Dieser solle sich aus Erziehungsthemen heraushalten. Es komme der Zeitpunkt, „wo das Kind entscheidet, wie es den neuen Partner einordnet.“

Dann wäre allen geholfen

Besonders wichtig sei es, dass die Mutter dem leiblichen Vater die Sicherheit gebe, in seiner Rolle nicht einfach ausgetauscht worden zu sein. „Das nehmen Kinder sehr klar wahr.“ Die Beziehungsebene der Eltern müsse von jener der neuen Partner getrennt sein. Die Sozialpädagogin ist der Auffassung: „Wenn sich alle Erwachsenen auch erwachsen benehmen würden, wäre allen geholfen.“

Margit Picher hat aber auch die Situationen im Blick, in denen leibliche Väter ihre Rolle überhaupt nicht mehr ausüben, sich vollständig ausgeklinkt haben: „In diesem Fall ist die Patchworkfamilie für die Kinder eine riesengroße Chance. Und dies täte unserer Gesellschaft sehr gut.“

Quelle: Liebe-Art, Autor: Andreas Kläne, Journalist, Autor, Texter.