Wirksame Zusammenarbeit mit Familien – wie kann man den “Boden” dafür bereiten?

Wirksame Zusammenarbeit mit Familien – wie kann man den “Boden” dafür bereiten?

Die Mutter von Stephanie ist frustriert. Sie sprach mit ihrer Tochter auf dem Heimweg von der Einrichtung und erfuhr, dass die Kinder den ganzen Tag mit Spielen verbracht haben. Dies ist der dritte Tag in Folge, an dem Stephanie “überhaupt nicht gelernt” hat! Wie passt das zu den Beteuerungen der Lehrerin, dass die Kinder jeden Tag etwas Neues lernen?

Ein gemeinsames Verständnis der Erwartungen sowie der pädagogischen Ziele und Praktiken von Fachkräften der Kindertagesbetreuung und Familien ist eine der Grundvoraussetzungen, um Kindern ein kohärentes und wertvolles Entwicklungsumfeld zu bieten. Daher ist es wichtig, positive Beziehungen und eine kontinuierliche Kommunikation mit den Familien aufzubauen und zu pflegen.

Was kann dabei helfen, solche Beziehungen aufzubauen?

 

1-Lernen Sie die Bedürfnisse der Familien kennen

Untersuchungen norwegischer Wissenschaftler legen nahe, dass die pädagogische Kultur von Kindertagesstätten für die Kleinsten den Erwartungen von Eltern aus der Mittelschicht entspricht, während sich Familien aus der Arbeiterklasse nur schwer mit ihr identifizieren können. Dies kann zu einer Distanzierung und Trennung von Arbeiterfamilien führen und ihre Zusammenarbeit mit Fachkräften weniger effektiv machen. Wie kann man diesem Trend entgegenwirken? Vor der Einschulung eines Kindes kann das Personal die Eltern zu ihren Erwartungen an die Einrichtung befragen. Das Gespräch sollte sich nicht nur auf organisatorische Fragen beziehen, sondern auch auf Werte, die für die Familie wichtig sind. Es ist auch eine gute Gelegenheit, mit den Eltern verschiedene Möglichkeiten zu erörtern, wie die Ziele erreicht werden können, z. B. die Umwandlung von Aktivitäten, die von den Kindern geleitet werden, in lernorientierte Aktivitäten, anstatt zeitlich begrenzte Abschnitte des Tages für den “Unterricht” zu reservieren. Durch die Vorbeugung möglicher Missverständnisse im Vorfeld können Frustrationen sowohl bei den Eltern als auch bei den Fachkräften im Laufe der Zusammenarbeit vermieden werden.

2- Machen Sie den Auftrag der Einrichtung bekannt

Die Fachkräfte können die Zusammenarbeit mit den Familien verbessern, indem sie ein klares, schriftliches Dokument zur Verfügung stellen, in dem der Auftrag der Einrichtung und die Philosophie, die ihrer pädagogischen Arbeit zugrunde liegt, definiert sind. Es ist wichtig, dass dieses Dokument unter anderem den Rahmen für die Arbeit der Einrichtung und der Erzieher (einschließlich der Ziele und Beispiele für die Umsetzung), die Rolle der Familien bei der Gestaltung der täglichen Praxis (Definition der Verantwortungsbereiche von Eltern und Personal) und die Entscheidungsprozesse erläutert. Um sicherzustellen, dass die Regeln für den Betrieb der Einrichtung bekannt sind und von den Familien verstanden und akzeptiert werden, können sie mit den Eltern besprochen werden, bevor das Kind eingeschrieben wird. Es ist auch wichtig sicherzustellen, dass die relevanten Dokumente für die Familien sowohl in Papier- als auch in Online-Formaten und in den Sprachen aller Beteiligten verfügbar sind.

3- Einrichtung von zweiseitigen Kommunikationskanälen mit den Familien

Die kontinuierliche Kommunikation zwischen Fachkräften und Familien über die Organisation der Arbeit der Einrichtung ist einer der wichtigsten Aspekte ihrer Zusammenarbeit. Eine effektive Kommunikation sollte einen zweiseitigen Austausch ermöglichen, d.h. sowohl die Familien als auch die Fachkräfte sollten nicht nur in der Lage sein, sich gegenseitig Informationen zu geben, sondern auch auf die erhaltene Kommunikation zu reagieren, indem sie ihre Meinung äußern oder Fragen stellen/beantworten.

In der Praxis steht den Lehrkräften eine breite Palette von Möglichkeiten zur Verfügung, die eine zweiseitige Kommunikation ermöglichen, darunter Online-Lösungen wie geschlossene Internetforen oder persönliche Treffen, z. B. in Form von Besprechungen. Die Verantwortung für den Kommunikationsprozess kann teilweise an die Eltern selbst delegiert werden, z. B. durch die Organisation von Elterntelefonen.

4- Die Eltern sollen von der Zusammenarbeit profitieren

Professionelle Unterstützung kann das häusliche Lernumfeld der Kinder positiv beeinflussen. Eltern, die bei der Förderung der Lese- und Schreibfähigkeiten ihrer Kinder unterstützt und angeleitet werden, sind eher bereit, ihren Kindern wertvolle Erfahrungen in diesem Bereich zu vermitteln, was zu einer Verbesserung der Lesefähigkeiten der Kinder führt. Daher sollte die Zusammenarbeit mit den Familien über den Betrieb der Einrichtung hinausgehen und den Eltern die Möglichkeit bieten, ihre eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse zu verbessern. Die Lehrkräfte können den Familien beispielsweise pädagogische Materialien zur Verfügung stellen, die es ihnen ermöglichen, die Entwicklungsprozesse der Kinder besser zu verstehen und ihnen Anleitungen für den Aufbau enger positiver Beziehungen oder den Umgang mit schwierigen Verhaltensweisen der Kinder zu geben. Dieser Ansatz wird sie wahrscheinlich verständnisvoller und offener für die vom Personal vorgeschlagenen Praktiken machen.

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